Niedersachsen ist flächenmäßig das zweitgrößte Bundesland und hat Nordseeküste, Elbe, Weser, Ems und unzählige Seen. Rechtlich geht es hier einen eigenen Weg: Das Gesetz schreibt den Fischereischein nicht zwingend vor, und an der Küste ist der Fischfang frei.

Schein oder Ausweis: was § 57 verlangt

Die zentrale Vorschrift ist § 57 Abs. 1 des Niedersächsischen Fischereigesetzes. Wer in einem Gewässer angelt, in dem er nicht selbst fischereiberechtigt oder Pächter ist, hat

„einen Fischereischein oder einen Personalausweis sowie eine von dem Berechtigten ausgestellte Bescheinigung über seine Befugnis bei sich zu führen (Fischereierlaubnisschein)“

und auf Verlangen vorzulegen. Das Gesetz lässt also ausdrücklich zwei Wege zu: den Fischereischein oder den Personalausweis. Die Bescheinigung des Berechtigten, also der Erlaubnisschein für das Gewässer, gehört in jedem Fall dazu.

Nicht nötig ist der Erlaubnisschein, wenn der Berechtigte oder sein Beauftragter dabei ist, und bei Wettbewerben und Prüfungen anerkannter Verbände (§ 57 Abs. 2).

Was das in der Praxis heißt: Ob du ohne Fischerprüfung angeln kannst, entscheidet am Binnengewässer der Verein oder Pächter, der dir die Erlaubnis ausstellt. Die meisten verlangen die bestandene Prüfung oder den Fischereischein. Das ist dann eine Bedingung der Erlaubnis, keine Vorgabe des Landesgesetzes. Frag vor dem Kauf einer Karte nach.

Die Küste: Fischfang ist frei

§ 16 Abs. 1 Nds. FischG ist kurz:

„In den Küstengewässern ist der Fisch- und Krebsfang frei.“

Küstengewässer sind die Küstengewässer im Sinne des Wasserrechts (§ 16 Abs. 2). Zusätzlich gelten die in Anlage 1 des Gesetzes aufgeführten Gewässer als Küstengewässer, darunter die Elbe unterhalb der Landesgrenze zu Hamburg und die Weser unterhalb der Grenze zu Bremen (§ 16 Abs. 3). Wo an diesen Gewässern nach früherem Recht ein Fischereirecht besteht, bleibt es allerdings bestehen – dort kann trotzdem eine Erlaubnis des Berechtigten nötig sein.

Frei heißt nicht regellos: Schonzeiten, Mindestmaße und Vorgaben zu den Fanggeräten gelten auch an der Küste, ebenso Sperrgebiete. Einen Personalausweis solltest du bei jeder Kontrolle dabeihaben.

Zum Vergleich: Im benachbarten Schleswig-Holstein gilt die Scheinpflicht ausdrücklich auch für Küstengewässer. Wer an der Nordsee die Landesgrenze überquert, wechselt also auch das Recht.

Wer den Fischereischein bekommt

Nach § 59 Abs. 1 Nds. FischG stellt die Gemeinde des Wohnsitzes den Fischereischein auf Antrag Personen aus, die

  • ihren Hauptwohnsitz in Niedersachsen haben,
  • das 14. Lebensjahr vollendet haben und
  • eine Fischerprüfung bei einem anerkannten Landesfischereiverband abgelegt haben.

Er gilt für unbeschränkte Zeit. Versagt werden kann er unter anderem Personen, die grob oder wiederholt gegen Vorschriften des Fischerei- oder Tierschutzrechts verstoßen haben (§ 59 Abs. 3).

Auch wenn das Gesetz den Schein nicht zwingend verlangt, lohnt er sich: Er ist der einfachste Nachweis gegenüber Vereinen und Pächtern und wird in anderen Bundesländern in der Regel anerkannt, wo der Personalausweis allein nicht reicht.

Die Prüfung – und wann sie entfällt

Anerkannt werden nach § 59 Abs. 1 Nr. 2 ausdrücklich auch:

  • die vorgeschriebene Fischerprüfung eines anderen Bundeslands,
  • die Prüfung als Berufsfischer.

Wer also aus einem anderen Land zuzieht und dort geprüft wurde, muss nicht noch einmal antreten. Die Prüfungen nehmen der Anglerverband Niedersachsen e. V. und der Landesfischereiverband Weser-Ems e. V. ab.

Ganz ohne Prüfung kann der Schein nach § 59 Abs. 2 erhalten, wer mindestens drei Jahre als Küstenfischer tätig war und das Patent zum Führen eines Fischereifahrzeugs besitzt – eine Regelung für Berufsfischer.

Zum Rechtsstand

Das Niedersächsische Fischereigesetz stammt von 1978 und wurde seitdem mehrfach geändert, zuletzt durch Artikel 8 des Gesetzes vom 22. September 2022. §§ 16 und 57 gelten seit 1978 unverändert, § 59 in der Fassung ab 1. Januar 2023.

Gebühren beziffert der Normtext nicht; einen eigenen Jugendfischereischein kennt er ebenfalls nicht.

Nach dem Schein

Der Fischereischein berechtigt dich nicht, irgendwo zu angeln. Im Binnenland brauchst du zusätzlich eine gewässerbezogene Erlaubnis, meist über einen Verein oder Pächter, und deren Regeln dürfen strenger sein als das Landesrecht.

Die landesrechtlichen Schonzeiten und Mindestmaße findest du im Schonzeiten-Rechner.

FAQ

Darf ich an der niedersächsischen Küste ohne Schein angeln? Ja. In den Küstengewässern ist der Fisch- und Krebsfang nach § 16 Abs. 1 Nds. FischG frei. Schonzeiten, Mindestmaße und Gerätevorschriften gelten trotzdem, und an den Unterläufen aus Anlage 1 können alte Fischereirechte eine Erlaubnis nötig machen.

Brauche ich im Binnenland einen Fischereischein? Das Gesetz verlangt einen Fischereischein oder einen Personalausweis, jeweils zusammen mit dem Erlaubnisschein des Berechtigten (§ 57 Abs. 1). Viele Vereine und Pächter geben Erlaubnisse aber nur mit bestandener Prüfung aus.

Ab wann bekomme ich den Fischereischein? Ab dem vollendeten 14. Lebensjahr, mit Hauptwohnsitz in Niedersachsen und bestandener Prüfung. Er gilt unbefristet.

Gilt meine Prüfung aus einem anderen Bundesland? Ja, die vorgeschriebene Fischerprüfung eines anderen Bundeslands wird ausdrücklich anerkannt.

Gibt es einen Jugendfischereischein? Der Normtext enthält keine eigene Jugendfischereischein-Regelung. Kläre die Möglichkeiten für dein Kind beim Verein oder bei der unteren Fischereibehörde.


Den bundesweiten Ablauf beschreibt Angelschein machen. Die Nachbarn: Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen.

Wie hilfreich war dieser Artikel?


Kommentare

Noch keine Kommentare – sei der Erste.

    Schreib deine Meinung

    Dein Kommentar erscheint nach kurzer Prüfung. E-Mail-Adresse ist nicht nötig.