Der Wels (Silurus glanis), auch Waller genannt, ist Europas größter Süßwasserfisch und für viele Angler der ultimative Zielfisch. Exemplare von über zwei Metern Länge und mehr als 50 Kilogramm Gewicht sind keine Seltenheit – wer einmal einen großen Waller im Drill hatte, vergisst die rohe Kraft dieses Fisches nicht mehr. Gleichzeitig verlangt das Welsangeln nach robuster Ausrüstung, Respekt vor dem Tier und einer gehörigen Portion Geduld.
Dieser Ratgeber führt dich Schritt für Schritt zum ersten Waller. Du erfährst, wo und wann die Fische aktiv sind, welche Montagen sich bewährt haben, welche Köder unverzichtbar sind und wie du typische Einsteigerfehler vermeidest.
Steckbrief Wels
Der Wels ist ein nachtaktiver Raubfisch mit enormem Wachstumspotenzial, der in großen, tiefen Gewässern mit ausreichend Nahrungsangebot zu finden ist.
- Wissenschaftlicher Name: Silurus glanis
- Familie: Echte Welse (Siluridae)
- Erkennungsmerkmale: Massiger, schuppenloser Körper; breiter, abgeflachter Kopf mit sechs charakteristischen Barteln (zwei lange am Oberkiefer, vier kürzere am Unterkiefer); kleine Augen; enorme Endgröße.
- Lebensraum: Große, tiefe Flüsse, Baggerseen, Talsperren und Kanäle mit ausreichend Unterständen und Futterfischbestand.
- Nahrung: Opportunistischer Räuber – Fische, Krebse, Frösche, Wasservögel; größere Exemplare erbeuten gelegentlich auch kleine Säugetiere.
Ein Riese mit feinen Sinnen
Trotz seiner Größe orientiert sich der Wels hauptsächlich über seine empfindlichen Barteln und ein ausgezeichnetes Gehör, weniger über die vergleichsweise kleinen Augen. Er nimmt Vibrationen und Druckwellen im Wasser über das Seitenlinienorgan wahr und kann so auch bei völliger Dunkelheit oder in trübem Wasser zielsicher jagen. Diese Sinnesleistung macht ihn zu einem äußerst effizienten nächtlichen Räuber.
Wann und wo beißt der Wels?
Welse sind standorttreu und bevorzugen tiefe, strukturreiche Bereiche mit guter Deckung.
- Tiefe Kolke und Flussrinnen: Hier verbringen Welse tagsüber die meiste Zeit ruhend, oft an ein und demselben Unterstand.
- Totholz, Baumwurzeln und Steinschüttungen: Deckung und gleichzeitig gute Jagdreviere für nachts aktive Welse.
- Buhnenfelder und Hafenbecken: Ruhigere Zonen mit hoher Futterfischdichte ziehen Welse gezielt an.
- Übergänge zwischen flachem und tiefem Wasser: Nachts patrouillieren Welse häufig entlang solcher Kanten auf Nahrungssuche.
Die besten Beißzeiten
- Warme Sommermonate: Die Hauptsaison liegt zwischen Juni und September bei Wassertemperaturen ab etwa 18–20 °C, wenn der Stoffwechsel der Welse auf Hochtouren läuft.
- Nacht und Dämmerung: Die meisten großen Welse werden in den späten Abend- und Nachtstunden gefangen, wenn die Fische aktiv jagen.
- Schwüle, gewittrige Bedingungen: Fallender Luftdruck vor einem Wetterumschwung löst häufig intensive Fressphasen aus.
- Tageszeiten im Sommer: An sehr heißen, sonnigen Tagen können auch tagsüber kurze Beißfenster in tiefem, schattigem Wasser entstehen.
Die besten Wels-Montagen
Wels-Montagen müssen vor allem eines sein: robust. Grobes Material und kräftige Haken sind beim Zielfischen auf Waller Pflicht.
1. Wallerkugel-Montage (Unterwasserpose)
Die klassische Ansitzmontage für Wels am Grund oder knapp darüber.
- Aufbau: Eine große, auftreibende Unterwasserpose (Wallerkugel) hält den Köder in der gewünschten Wassertiefe frei über dem Grund, ein schweres Blei (80–200 g, je nach Strömung) fixiert die Montage am Platz. Vorfach und Hauptschnur müssen für die enorme Kraft des Fisches ausgelegt sein.
- Vorteil: Der Köder schwebt sichtbar für den Wels über eventuellem Kraut oder Geröll am Grund und lässt sich präzise auf eine bestimmte Tiefe einstellen.
2. Grundmontage mit Freilauf
Für den klassischen Nachtansitz mit totem Köderfisch am Grund eignet sich eine robuste, an die Grundmontage angelehnte Freilaufmontage mit stabilem Laufblei und kräftigem Einzelhaken oder Beifänger.
- Freilauf beachten: Auch wenn Welse kräftig zupacken, ist ein sanfter Freilauf sinnvoll, damit der Fisch den Köder ungestört aufnehmen kann, bevor der Anschlag erfolgt.
3. Vertikalfischen mit Gummifisch oder Bojenpose
Aktives Welsangeln vom Boot aus, bei dem große Gummifische oder Naturköder direkt über bekannten Standplätzen präsentiert werden – eine sehr gezielte, aber auch anspruchsvollere Methode für Fortgeschrittene.
💡 Tipp: Unsicher, welche Montage für dein Gewässer und die Zielgröße am besten passt? Der interaktive Montagen-Konfigurator hilft dir in wenigen Klicks, die passende Wels-Montage samt Blei- und Vorfachempfehlung zusammenzustellen.
Die besten Köder
Welse sind Allesfresser mit großem Beuteschema – entsprechend vielfältig ist die Köderauswahl, wobei Größe und Frische entscheidend sind.
Köderfisch
Große tote oder lebende Köderfische (wo gesetzlich erlaubt) wie Rotaugen, Brassen oder kleine Karpfen gehören zu den zuverlässigsten Wallerködern. Je größer der Zielfisch, desto größer darf auch der Köder ausfallen.
Tauwurmbündel
Ein großes Bündel aus mehreren Tauwürmern bietet eine intensive Duftspur und funktioniert besonders gut bei kleineren bis mittleren Welsen sowie in Gewässern mit hohem Angeldruck.
Kunstköder (Gummifische)
Große, kräftige Gummifische (15–30 cm) mit intensiver Aktion eignen sich hervorragend zum aktiven Vertikalfischen und Faulenzen entlang bekannter Welsstandplätze.
Spezialköder
Tintenfischfetzen, Fischfilets oder speziell präparierte Welsköder mit starkem Eigengeruch kommen bei erfahrenen Welsanglern regelmäßig zum Einsatz und punkten besonders in trübem oder strömendem Wasser.
Vorfach und Hauptschnur
Wegen der enormen Kraft und der rauen Maulinnenseite des Welses ist grobes, abriebfestes Material Pflicht: Geflochtene Hauptschnur ab 0,40 mm (bzw. 60–100 kg Tragkraft, Details im Angelschnur-Guide) und ein kräftiges Vorfach aus Stahl oder Hardmono. Zu passenden Knoten für grobes Material findest du Hinweise im Guide Angelknoten.
Bisserkennung und Drill
Wels-Bisse sind oft unverkennbar kraftvoll – der Drill selbst stellt die eigentliche Herausforderung dar.
Bisserkennung
- An der Wallerkugel: Die Unterwasserpose taucht bei einem Biss meist zügig und bestimmt ab – ein klares, gut sichtbares Signal.
- Am Grund: Die Schnur läuft schnell und kraftvoll ab, oft begleitet von einem heftigen Ruck in der Rutenspitze.
Der Drill
Ein großer Wels ist ein außergewöhnlich kraftvoller Gegner mit langen, kraftvollen Fluchten und schwerem Kopfschlagen. Wichtig sind eine ausreichend stark dimensionierte Rute (Wallerrute mit hohem Wurfgewicht), eine kräftige Bremse sowie viel Geduld – der Drill kann bei großen Exemplaren mehrere zehn Minuten dauern. Halte die Rute stets gebeugt und vermeide direkten Zug über die Rolle allein.
Die Landung
Für die Landung großer Welse ist spezielles Equipment nötig: ein extra großer, verstärkter Kescher oder – bei sehr großen Fischen – eine Handlandung mit angefeuchteten Händen und Handschuhen zum Schutz vor den Reibzähnen. Eine großzügig dimensionierte Abhakmatte ist unverzichtbar, um den schweren Fisch schonend zu versorgen. Details zur passenden Ausrüstung in der Kescher-Kaufberatung.
Schonzeit und Mindestmaß
Der Wels wächst sehr langsam zu seiner beeindruckenden Endgröße heran, weshalb ein verantwortungsvoller Umgang mit großen, laichfähigen Exemplaren besonders wichtig ist.
Richtwerte für Deutschland:
- Gesetzliches Mindestmaß: In vielen Bundesländern kein landesweites Mindestmaß, wo eines existiert, liegt es meist zwischen 70 cm und 100 cm.
- Schonzeit: Häufig keine landesweite gesetzliche Schonzeit, jedoch legen viele Vereine eigene Schonzeiten während der Laichzeit im Frühsommer fest.
⚠️ Wichtig: Gerade bei großen, alten Laichfischen empfiehlt sich grundsätzlich ein schonender Umgang und Zurücksetzen, da diese Tiere überproportional zum Bestandserhalt beitragen. Schonzeiten, Mindestmaße und Entnahmeregeln sind zudem Ländersache und werden häufig durch die Gewässerordnung des jeweiligen Vereins oder Pächters ergänzt. Alle Angaben in diesem Ratgeber sind Richtwerte und vor dem Angeln zwingend regional und gewässerspezifisch zu prüfen!
Anfängerfehler beim Welsangeln
Diese klassischen Fehler solltest du beim Zielfischen auf Wels vermeiden:
- Unterdimensionierte Ausrüstung: Wer mit zu leichter Rute, Rolle oder Schnur auf Wels angelt, riskiert nicht nur den Fischverlust, sondern auch Materialbruch. Investiere in robustes, speziell für Wels ausgelegtes Gerät.
- Zu kleine Köder: Gerade für große Welse sind kleine Köder oft uninteressant. Größere, kräftige Köder selektieren gezielt auf größere Fische.
- Fehlende Geduld im Drill: Wer bei einem großen Wels zu früh Druck macht oder hektisch pumpt, riskiert Ausschlitzer oder Schnurbruch. Ruhiger, konstanter Druck führt zum Erfolg.
- Unsachgemäße Landung: Ohne passenden Kescher oder Handlandungstechnik kann die Landung eines großen Welses gefährlich für Fisch und Angler werden. Bereite dich vorab genau vor.
- Falsche Tageszeit: Wer nur tagsüber in der prallen Sonne angelt, verpasst häufig die aktivsten Fressphasen. Die Nacht und die warmen Dämmerungsstunden bringen deutlich mehr Erfolg.
FAQ
Wann beißen Welse am besten? Die Hauptsaison liegt zwischen Juni und September, wenn die Wassertemperatur über 18–20 °C liegt. Innerhalb des Tages sind die Nacht- und Dämmerungsstunden am fängigsten.
Welche Ausrüstung brauche ich für Welsangeln? Eine kräftige Wallerrute mit hohem Wurfgewicht, eine robuste Rolle mit starker Bremse, geflochtene Hauptschnur ab 0,40 mm sowie ein grobes Stahl- oder Hardmono-Vorfach sind Grundvoraussetzung.
Wie groß sollte der Köder für Wels sein? Das hängt von der Zielgröße ab – für mittlere Welse reichen Köderfische von 15–20 cm, für sehr große Exemplare können auch deutlich größere Köder sinnvoll sein.
Was ist eine Wallerkugel? Eine Wallerkugel ist eine große, auftreibende Unterwasserpose, die den Köder frei über dem Gewässergrund in einer bestimmten Tiefe präsentiert – die klassische Ansitzmontage beim Welsangeln.
Ist Welsangeln für Anfänger geeignet? Grundsätzlich ja, allerdings sollte man sich vorab intensiv mit passender Ausrüstung, Drilltechnik und der schonenden Landung großer Fische auseinandersetzen, um Fisch und Angler nicht zu gefährden.
Bereit für deinen ersten Wels? Stell dir mit dem Montagen-Konfigurator in einer Minute die passende Montage zusammen und wirf vorher einen Blick in die Kescher-Kaufberatung für die schonende Landung und die Angelrute-Kaufberatung für ausreichend kräftiges Gerät.
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