Der Hering (Clupea harengus) ist für viele der erste Meeresfisch überhaupt. Wenn im Frühjahr die Laichschwärme in die Ostseeförden ziehen, reicht eine Rute, ein Paternoster und ein Platz an der Mole. Kein Köder, kein Anfüttern, keine Wathose – und an guten Tagen mehrere Fische pro Wurf.

Genau darin liegt aber auch die Verantwortung: Wer zehn Fische in fünf Minuten fängt, muss vorher wissen, was er damit vorhat.

Steckbrief Hering

  • Wissenschaftlicher Name: Clupea harengus
  • Familie: Heringe (Clupeidae)
  • Erkennungsmerkmale: Schlanker, seitlich abgeflachter Körper; stahlblauer Rücken, silberne Flanken; sehr weiche, leicht abfallende Schuppen; keine Seitenlinie sichtbar.
  • Lebensraum: Freiwasser der Ostsee, im Frühjahr in Förden, Häfen und Buchten zum Laichen.
  • Nahrung: Plankton, kleine Krebstiere – der Hering ist kein Räuber.

Weil der Hering kein Raubfisch ist, wird er nicht mit Köder gefangen, sondern mit kleinen, glitzernden Kunststoffimitationen, die Plankton nachahmen.

Wann und wo beißt der Hering?

  • Hafenmolen und Kaikanten: Wo tiefes Wasser direkt am Ufer liegt, stehen die Schwärme.
  • Förden und Buchten: Klassische Laichgebiete, allen voran die Kieler und Flensburger Förde sowie der Greifswalder Bodden.
  • Brücken und Seebrücken: Erlauben es, den Köder ins Freiwasser zu bringen.

Die beste Zeit

  • Februar bis Mai: Hauptsaison, abhängig von der Wassertemperatur – der Zug beginnt bei etwa 4 bis 6 Grad.
  • Dämmerung: Morgens und abends stehen die Schwärme oft höher im Wasser.
  • Zweiter Zug im Herbst: Regional deutlich schwächer, aber möglich.

Die beste Hering-Montage

Heringspaternoster

Das Heringspaternoster ist eine fertig gebundene Systemmontage: An einer Hauptschnur hängen vier bis sechs kurze Seitenarme mit kleinen, mit Fischhaut oder Flitter beklebten Haken. Unten sorgt ein Blei von 30 bis 60 Gramm für Wurfweite und hält das System senkrecht. Die Grundlagen der Technik erklärt der Guide Meeresangeln, den Aufbau vergleichbarer Systeme die Paternostermontage.

💡 Tipp: Unsicher, welche Montage zu deinem Zielfisch passt? Der Montagen-Konfigurator hilft dir in wenigen Klicks weiter.

Die richtige Führung

Paternoster absinken lassen, bis die Schnur locker wird, dann in kleinen Hüben nach oben zupfen und wieder absinken lassen. Bisse fühlen sich als kurzes Zittern an. Nach dem ersten Fisch ruhig noch einige Sekunden warten – oft hängen dann zwei oder drei Heringe im System.

Die besten Köder

Beim Heringsangeln ersetzen die Systemhaken den Köder vollständig.

  • Fischhaut-Paternoster: Der Klassiker, funktioniert bei klarem Wasser am besten.
  • Flitter in Rot oder Grün: Bei trübem Wasser und schlechtem Licht überlegen.
  • Kleine Hakengrößen: Größe 8 bis 12 – größere Haken finden im kleinen Heringsmaul keinen Halt.

Weitere Salzwasserköder findest du im Meeresköder-Guide.

Bisserkennung und Drill

Der Biss

Der Biss ist ein feines Zittern in der Rutenspitze. Ein Anhieb ist nicht nötig – die kleinen Haken fassen von selbst.

Der Drill

Ein einzelner Hering wehrt sich kaum. Hängen aber vier Fische im Paternoster, kommt spürbar Gewicht zusammen. Gleichmäßig einholen, ohne zu pumpen, sonst schlitzen die weichen Mäuler aus.

Nach dem Fang

Heringe verderben schnell. Nimm eine Kühlbox mit Eis mit und töte die Fische unmittelbar nach dem Fang fachgerecht ab. Zur Ausrüstung siehe Meeresangel-Ausrüstung, zum Umgang mit dem Fang den Beitrag Fischschonender Umgang.

Schonzeit und Mindestmaß

Richtwerte für Deutschland (Ostseeküste):

  • Gesetzliches Mindestmaß: In der Regel keines.
  • Schonzeit: In der Regel keine.
  • Fangbegrenzung: In einigen Küstengewässern gelten Tagesbegrenzungen für Angler.

⚠️ Wichtig: Alle Angaben in diesem Ratgeber sind Richtwerte und vor dem Angeln zwingend regional und gewässerspezifisch zu prüfen! Die Heringsbestände der westlichen Ostsee stehen seit Jahren unter Druck, weshalb Regelungen kurzfristig angepasst werden können. Entnimm nur so viele Fische, wie du tatsächlich verwertest.

Anfängerfehler beim Heringsangeln

  1. Falsche Tiefe: Der Schwarm steht selten am Grund. Verschiedene Tiefen abfischen, bis der erste Biss kommt.
  2. Zu hektische Führung: Kleine, ruhige Hübe fangen besser als schnelles Reißen.
  3. Zu schweres Gerät: Eine leichte Rute überträgt die feinen Bisse deutlich besser.
  4. Fang nicht gekühlt: Ohne Eis ist der Hering nach kurzer Zeit nicht mehr genießbar.
  5. Mehr entnommen als verwertbar: Ein voller Eimer ist kein Erfolg, wenn die Hälfte im Müll landet.

FAQ

Brauche ich zum Heringsangeln einen Angelschein? Ja, an der deutschen Ostseeküste sind Fischereischein und Küstenfischereischein erforderlich. Details im Beitrag Angelschein machen.

Welche Rute eignet sich fürs Heringsangeln? Eine leichte Spinn- oder Grundrute von 2,70 bis 3,30 Metern mit einem Wurfgewicht von 40 bis 80 Gramm reicht völlig aus.

Wann ist die beste Zeit für Heringe? Februar bis Mai, sobald das Wasser 4 bis 6 Grad erreicht. Der genaue Zeitpunkt schwankt von Jahr zu Jahr.

Warum fange ich nichts, obwohl andere fangen? Meist stimmt die Tiefe nicht. Zähle beim Absinken mit und merke dir, bei welcher Zählzeit der erste Biss kam.


Bereit für die Mole? Mit dem Montagen-Konfigurator stellst du dir in einer Minute die passende Montage zusammen.


Wie hilfreich war dieser Artikel?

Kommentare

Noch keine Kommentare – sei der Erste.

    Schreib deine Meinung

    Dein Kommentar erscheint nach kurzer Prüfung. E-Mail-Adresse ist nicht nötig.