Die Schleie (Tinca tinca) ist einer der schönsten und zugleich geheimnisvollsten Fische unserer Gewässer. Ihr olivgrüner, schleimiger Körper und ihre kleinen, rötlichen Augen machen sie unverwechselbar – und ihre Vorliebe für dichte Krautfelder und die frühen Morgenstunden macht das gezielte Schleienangeln zu einer eigenen kleinen Kunst. Wer den richtigen Rhythmus findet, wird mit kraftvollen Bissen und einem der schönsten Fische am Haken belohnt.
Dieser Ratgeber führt dich Schritt für Schritt zum ersten Schleienfang. Du erfährst, wo und wann die Fische aktiv sind, welche Montagen sich bewährt haben, welche Köder unverzichtbar sind und wie du typische Einsteigerfehler vermeidest.
Steckbrief Schleie
Schleien sind ausgesprochen anpassungsfähige Fische, die auch in sauerstoffärmeren, krautreichen Gewässern gut zurechtkommen.
- Wissenschaftlicher Name: Tinca tinca
- Familie: Schleien (Tincidae)
- Erkennungsmerkmale: Gedrungener, olivgrüner bis bronzefarbener Körper mit dicker Schleimschicht; abgerundete Flossen; kleine, tiefrote Augen; ein kurzes Bartelpaar am Maul.
- Lebensraum: Krautreiche, ruhige Bereiche in Seen, Teichen und langsam fließenden Gewässern mit weichem Grund.
- Nahrung: Bodentiere – bei erwachsenen Schleien vor allem Schnecken und Muscheln –, dazu Pflanzenteile und Detritus (FishBase).
Ein Frühaufsteher mit Vorliebe fürs Kraut
Schleien sind vor allem in den frühen Morgenstunden aktiv und ziehen sich tagsüber gerne in dichte Krautfelder zurück, wo sie Schutz und reichlich Nahrung finden. Diese enge Bindung an Wasserpflanzen macht Krautkanten und -löcher zu den wichtigsten Zielorten beim Schleienangeln.
Wann und wo beißt die Schleie?
Schleien bevorzugen ruhige, pflanzenreiche Gewässerbereiche und meiden offene, stark beangelte Flächen.
- Krautfelder und deren Kanten: Der wichtigste Standort überhaupt – hier finden Schleien Nahrung und Deckung zugleich.
- Flache, warme Buchten: Besonders im Frühjahr ziehen Schleien ins schnell erwärmte Flachwasser.
- Löcher innerhalb von Krautfeldern: Offene Stellen inmitten dichter Vegetation sind regelrechte Hotspots.
- Schlammiger Grund: Bevorzugter Lebensraum mit reichhaltigem Nahrungsangebot.
Die besten Beißzeiten
- Früher Morgen: Die mit Abstand aktivste Zeit – oft schon vor Sonnenaufgang bis in die ersten Stunden nach Tagesanbruch.
- Warme Frühsommermonate: Ab etwa 16–18 °C Wassertemperatur werden Schleien deutlich aktiver.
- Ruhige, windstille Bedingungen: Schleien reagieren empfindlich auf Störung und bevorzugen ruhige Verhältnisse.
Die besten Schleien-Montagen
Schleien sind vorsichtige Fische, die auf grobe Montagen empfindlich reagieren – Feingefühl ist gefragt.
1. Grundmontage mit Laufblei
Die bewährte Methode, um den Köder direkt am oder knapp über dem schlammigen Grund zu präsentieren. Aufbau und Prinzip entsprechen der klassischen Grundmontage, mit besonders feinem Vorfach (siehe Angelschnur-Guide) für die vorsichtigen Bisse.
2. Posenmontage an Krautkanten
Eine feine Posenmontage eignet sich hervorragend, um den Köder präzise an einer Krautkante oder in einem Loch innerhalb des Krautfeldes zu präsentieren. Details im Guide zur Posenmontage.
3. Haarmontage mit Boilie oder Mais
Bei stark beangelten Gewässern reagieren Schleien positiv auf eine feine Haarmontage, bei der der Köder frei neben dem Haken hängt und Misstrauen abbaut.
Tipp: Unsicher, welche Montage zu deinem Gewässer passt? Der Montagen-Konfigurator hilft dir in wenigen Klicks weiter.
Die besten Köder
Schleien reagieren besonders gut auf klassische Naturköder mit intensivem Reiz.
Tauwurm
Der zuverlässigste Schleienköder überhaupt – ein oder mehrere Tauwürmer am Haken funktionieren fast an jedem Gewässer.
Mais
Süßer Dosenmais ist ein einfacher und fängiger Köder, der sich hervorragend für den Einstieg eignet.
Boilies und Pellets
Kleinere Boilies und Pellets, meist an der Haarmontage angeboten, funktionieren besonders gut an Gewässern mit gemischtem Karpfen- und Schleienbestand. Weitere Köder findest du in der Köder-Übersicht.
Bisserkennung und Drill
Schleienbisse sind meist deutlich und kraftvoll – der Drill selbst ist überraschend robust.
Bisserkennung
Ein typischer Schleienbiss zeigt sich als zügiges, bestimmtes Wegziehen der Pose oder ein deutlicher Ruck an der Rutenspitze – deutlich weniger zögerlich als bei vielen anderen Friedfischen.
Der Drill
Schleien kämpfen erstaunlich kraftvoll für ihre Größe, mit kräftigen, drehenden Fluchten in Richtung Kraut und Deckung. Halte im ersten Moment des Drills bewusst Druck, um den Fisch von Krautfeldern fernzuhalten, in denen er sich sonst schnell verfangen kann.
Die Landung
Wegen ihrer dicken Schleimschicht sind Schleien besonders empfindlich – ein feinmaschiger, schonender Kescher und feuchte Hände beim Abhaken sind Pflicht. Details zur passenden Ausrüstung in der Kescher-Kaufberatung.
Schonzeit und Mindestmaß
Ein Mindestmaß um 25 cm ist bei der Schleie verbreitet, eine Schonzeit dagegen nicht überall. Beispiele aus den Verordnungstexten:
| Bundesland | Mindestmaß | Schonzeit |
|---|---|---|
| Bayern | 26 cm | 1. Mai bis 30. Juni |
| Hessen | Entnahmefenster 25 bis 45 cm | 1. Mai bis 30. Juni |
| Nordrhein-Westfalen | 25 cm | keine |
| Sachsen | 25 cm | keine |
| Brandenburg | 25 cm | keine |
| Hamburg | Entnahmefenster 25 bis 45 cm | keine |
| Mecklenburg-Vorpommern (Binnengewässer) | 25 cm | keine |
Beachte: In Bayern und Hessen fällt die Schonzeit genau in die warmen Frühsommerwochen, die oben als beste Schleienzeit beschrieben sind. Die Werte aller Bundesländer zeigt der Schonzeiten-Rechner, die Fundstellen stehen in den Quellen am Ende dieses Artikels.
Wichtig: Vereine und Pächter können in ihrer Gewässerordnung strengere Regeln festlegen. Prüfe vor dem Angeln Landesrecht und Gewässerordnung.
Anfängerfehler beim Schleienangeln
- Zu späte Anreise: Wer erst nach Sonnenaufgang am Wasser ist, verpasst oft die aktivste Zeit. Früh aufstehen lohnt sich beim Schleienangeln besonders.
- Falsche Platzwahl: Wer ohne Krautfelder oder -kanten angelt, fischt häufig an den Schleien vorbei.
- Zu grobe Montage: Dickes Vorfach und große Haken vergrämen die vorsichtigen Fische schnell.
- Unruhe am Ufer: Schleien reagieren empfindlich auf Lärm und Erschütterungen – ruhiges Verhalten zahlt sich aus.
- Trockenes Abhaken: Die empfindliche Schleimschicht der Schleie verlangt nach feuchten Händen und einer schonenden Abhakmatte.
FAQ
Wann beißen Schleien am besten? Die frühen Morgenstunden, oft schon vor Sonnenaufgang, sind mit Abstand die fängigste Zeit – besonders in den warmen Frühsommermonaten.
Warum stehen Schleien so oft im Kraut? Krautfelder bieten Schleien gleichzeitig Nahrung, Deckung vor Fressfeinden und angenehme Wassertemperaturen – ein idealer Lebensraum.
Welcher Köder eignet sich am besten für Einsteiger? Tauwurm ist der klassische, zuverlässigste Einstiegsköder für das Schleienangeln.
Wie groß werden Schleien? FishBase nennt eine übliche Länge von rund 20 cm; als Höchstwerte sind 70 cm (ohne Schwanzflosse gemessen) und 7,5 kg belegt.
Bereit für deinen ersten Schleienfang? Stell dir mit dem Montagen-Konfigurator in einer Minute die passende Montage zusammen.
Quellen
- Verordnung zur Ausführung des Bayerischen Fischereigesetzes (AVBayFiG), Anlage: Schonzeiten, Schonmaße und räumlicher Geltungsbereich
- Hessische Fischereiverordnung (HFischV)
- Landesfischereiverordnung (LFischVO) Nordrhein-Westfalen
- Sächsische Fischereiverordnung (SächsFischVO)
- Fischereiordnung des Landes Brandenburg (BbgFischO)
- Verordnung zur Durchführung des Hamburgischen Fischerei- und Angelgesetzes (HmbFAnGDVO)
- Binnenfischereiverordnung (BiFVO M-V), Arbeitskopie
- Tinca tinca – Tench
Kommentare
Noch keine Kommentare – sei der Erste.