Auf großen Seen wie dem Bodensee oder weiten Talsperren ist die größte Herausforderung oft nicht die Montage, sondern die Fläche: Wo im Wasser stehen die Fische gerade? Schleppangeln (englisch Trolling) löst genau dieses Problem, indem der Köder hinter einem langsam fahrenden Boot kontinuierlich durchs Wasser gezogen wird und dabei aktiv nach beißwilligen Fischen sucht – statt an einer Stelle zu warten, bis einer vorbeikommt.
Eine kurze Einordnung des Begriffs findest du im Glossar-Eintrag Schleppangeln, die Grundlagen zum Bootsangeln allgemein im Guide Bootsangeln. Hier geht es tiefer in die Trolling-spezifische Ausrüstung, Technik und Rechtslage.
Die drei gängigen Systeme: Tiefe und Breite
Der Köder muss beim Schleppangeln kontrolliert in der Tiefe laufen, in der sich die Fische gerade aufhalten – dafür haben sich drei Systeme etabliert.
Downrigger
Ein Downrigger senkt ein schweres Blei per Kurbel oder Motor an einem eigenen Kabel exakt auf die gewünschte Tiefe ab, der Köder wird über eine Clip-Verbindung daran befestigt. Löst ein Fisch die Klemme durch seinen Biss, schnellt die Rute frei und der Drill findet ohne das schwere Blei statt – die präziseste, aber auch aufwendigste Methode.
Paravan (Sideplaner)
Ein Paravan zieht den Köder seitlich vom Boot weg, statt in die Tiefe – ideal, um flacher stehende Fische zu erreichen, ohne sie mit dem Bootslärm zu verscheuchen, und um gleichzeitig mehrere Ruten ohne Verheddern zu fischen.
Bleischnur (Lead Core)
Eine mit Bleiseele beschwerte Spezialschnur sinkt gleichmäßig ab und bringt den Köder ohne zusätzliches Zubehör in die Tiefe – einfacher und günstiger als ein Downrigger, aber weniger exakt in der Tiefensteuerung.
Die richtige Geschwindigkeit finden
Die Fahrgeschwindigkeit entscheidet maßgeblich über den Erfolg, da sie die Aktion von Wobblern und Blinkern direkt beeinflusst.
- Langsam (1–2,5 km/h): Für träge Fische und in kaltem Wasser, häufig bei Lachsforelle und Seeforelle im Winterhalbjahr.
- Mittel (3–4 km/h): Der gängige Bereich für die meisten Wobbler, etwa beim Schleppen auf Hecht. Allgemeingültige Werte gibt es nicht; Gummifische laufen schon bei 1,5–2 km/h (Doctor-Catch).
- Systematisches Variieren: Wer keine Bisse bekommt, sollte gezielt die Geschwindigkeit ändern, statt stur weiterzufahren – oft entscheidet genau das über Erfolg oder Schneidern.
Mehrere Tiefen gleichzeitig anbieten
Solange Landesrecht und Gewässerordnung mehrere Ruten pro Person erlauben, lassen sich mit unterschiedlich tief laufenden Ködern (leichte Wobbler nah an der Oberfläche, Downrigger-Köder in der Tiefe) mehrere Wasserschichten gleichzeitig absuchen, bis sich zeigt, wo die Fische gerade aktiv sind. Sobald eine Tiefe Bisse bringt, werden die übrigen Ruten darauf angepasst.
Rechtslage: Vor jeder Fahrt prüfen
Schleppangeln ist in Deutschland deutlich stärker reglementiert als das Angeln vom Ufer aus. Beispiele aus den Verordnungstexten:
- Hamburg: „Das Fischen mit Schleppangeln ist Anglerinnen und Anglern untersagt.“ (§ 4 Abs. 3 HmbFAnGDVO)
- Brandenburg: Schleppangeln von Fahrzeugen, die unter Segel oder mit Motorkraft fahren, ist verboten (§ 4 Abs. 2 BbgFischO).
- Sachsen: Die Fischerei mit der Schleppangel bedarf der Genehmigung der Fischereibehörde (§ 4 Abs. 6 SächsFischVO).
- Mecklenburg-Vorpommern, Küste: In den Fischereibezirken – darunter Greifswalder Bodden, Strelasund, die Gewässer zwischen Hiddensee und Rügen und die Darßer Boddenkette – ist Schleppangeln verboten; in mehreren küstennahen Zonen gilt ein Verbot für Schleppangeln mit Motor oder Segel vom 15. September bis 15. März (§ 9 Nr. 7 und § 14 Abs. 1 KüFVO M-V).
- Anzahl der Ruten: Bayern, Sachsen, Brandenburg und Hamburg erlauben höchstens zwei Handangeln gleichzeitig, Sachsen und Brandenburg beim Spinnfischen nur eine.
- Bootsführerschein: Je nach Motorleistung erforderlich – siehe die Hinweise im Guide Bootsangeln.
Wichtig: Informiere dich vor jeder Trolling-Tour über Landesrecht und Gewässerordnung – die Regeln unterscheiden sich stärker als bei fast jeder anderen Angelmethode.
Typische Anfängerfehler
- Immer gleiche Geschwindigkeit gefahren: Ohne systematisches Variieren bleiben viele Bisse aus.
- Nur eine Tiefe angeboten: Wer nicht mehrere Tiefenstufen gleichzeitig testet, verschenkt die größte Stärke des Schleppangelns.
- Rechtslage nicht geprüft: In mehreren Ländern ist Schleppangeln verboten oder genehmigungspflichtig – ohne Prüfung riskierst du einen Verstoß.
- Zu enge Kurven bei mehreren Ruten: Führt schnell zu Schnurverwicklungen zwischen den einzelnen Systemen.
FAQ
Was ist der Unterschied zwischen Downrigger und Bleischnur? Der Downrigger positioniert den Köder über ein separates Kabel exakt auf einer wählbaren Tiefe und gibt ihn beim Biss frei, die Bleischnur sinkt gleichmäßig mit dem Köder mit und ist weniger präzise, dafür einfacher und günstiger.
Welche Fische lassen sich gut schleppen? Vor allem Hecht und Zander, auf großen, tiefen Seen auch Seeforellen – jeweils nur dort, wo das Schleppangeln erlaubt ist.
Brauche ich für Schleppangeln zwingend einen Downrigger? Nein, gerade für den Einstieg reicht eine Bleischnur oder ein einfacher Tiefenwobbler völlig aus – ein Downrigger lohnt sich erst bei regelmäßigem, gezieltem Einsatz.
Ist Schleppangeln überall in Deutschland erlaubt? Nein. Hamburg untersagt es Anglern ganz (§ 4 Abs. 3 HmbFAnGDVO), Brandenburg verbietet es von Booten unter Segel oder Motor (§ 4 Abs. 2 BbgFischO), Sachsen verlangt eine Genehmigung (§ 4 Abs. 6 SächsFischVO). Vor jeder Tour Landesrecht und Gewässerordnung prüfen.
Zu den Grundlagen des Bootsangelns geht es im Guide Bootsangeln, zur passenden Ausrüstung in der Echolot-Kaufberatung.
Quellen
- Verordnung zur Durchführung des Hamburgischen Fischerei- und Angelgesetzes (HmbFAnGDVO)
- Fischereiordnung des Landes Brandenburg (BbgFischO)
- Sächsische Fischereiverordnung (SächsFischVO)
- Küstenfischereiverordnung (KüFVO M-V), Arbeitskopie
- Verordnung zur Ausführung des Bayerischen Fischereigesetzes (AVBayFiG)
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