Wenn Seen und Teiche zufrieren, endet für viele Angler die Saison – dabei eröffnet eine tragfähige Eisdecke Zugang zu Bereichen, die sonst nur mit dem Boot erreichbar wären, und viele Fischarten sind im kalten Wasser überraschend aktiv. Eisangeln ist in Deutschland eine Nische, in den USA, Skandinavien und Osteuropa dagegen eine eigene, große Angeldisziplin. Das Wichtigste vorweg: Kein Fisch ist einen unnötigen Sicherheitsfehler wert.

Sicherheit hat immer Vorrang

Bevor es um Technik oder Köder geht: Eis trägt nie gleichmäßig, und die Einschätzung “sieht dick genug aus” reicht nicht.

  • Mindestdicke: Die DLRG rät, einen See erst zu betreten, wenn das Eis 15 cm dick ist, ein fließendes Gewässer erst ab 20 cm. Als grobe Faustregel gilt: Trübes, poröses Eis oder Eis mit Lufteinschlüssen trägt deutlich schlechter als klares “schwarzes” Eis gleicher Dicke.
  • Nie gleichmäßig: Die Eisdicke schwankt auf demselben Gewässer stark. Besonders dünn ist das Eis unter Brücken, an Zu- und Abläufen, zwischen Schilf, über starkem Grundwasserzustrom sowie über aufsteigendem Faulgas – dort auch bei ansonsten dickem Eis besondere Vorsicht walten lassen.
  • Nie allein aufs Eis: Immer mit Begleitung angeln und beim Gehen sowie am Angelplatz Abstand zueinander halten, damit sich das Gewicht nicht auf einen Punkt konzentriert.
  • Eispickel griffbereit: Ein Paar Eispickel (Ice Claws), die um den Hals getragen werden, ermöglicht im Ernstfall den Selbstrettungsversuch aus eigener Kraft – ohne sie ist ein Ausstieg aus offenem Wasser auf glattem Eis kaum möglich.
  • Rettungsleine und Handy: Eine leichte Wurfleine für die Rettung eines Begleiters sowie ein aufgeladenes, griffbereites Handy gehören in jeden Rucksack.
  • Lokale Warnungen ernst nehmen: Vor Ort oder online veröffentlichte Eiswarnungen von Gemeinden, Feuerwehr oder DLRG-Ortsgruppen im Zweifel immer über die eigene Einschätzung stellen.
Zulauf Ablauf, Brücke zwischen Schilf Grundwasser- zustrom aufsteigendes Faulgas DLRG: See ab 15 cm, Fließgewässer ab 20 cm nie allein aufs Eis
Wo das Eis besonders dünn ist (schematisch · von oben gesehen; DLRG-Werte und Gefahrenstellen nach diesem Artikel)

Merksatz: Im Zweifel nicht aufs Eis. Keine Fangchance rechtfertigt das Risiko, einzubrechen.

Rechtliches vorab klären

Ob und wo Eisangeln erlaubt ist, regeln Gewässerordnung und Landesrecht. Vereine können es aus Sicherheits- oder Haftungsgründen einschränken. In den Küstengewässern Mecklenburg-Vorpommerns gilt zudem: Bei der Fischerei auf gefrorenen Gewässern sind die Eislöcher gut sichtbar zu kennzeichnen (§ 20 Abs. 5 KüFVO M-V). Vor der ersten Tour unbedingt beim bewirtschaftenden Verein oder der zuständigen Behörde nachfragen.

Ausrüstung fürs Eisloch

  • Eisbohrer: Ein Handbohrer (meist 15–20 cm Durchmesser) reicht für die meisten Zielfische, motorisierte Bohrer erleichtern die Arbeit bei mehreren Löchern oder dickerem Eis erheblich.
  • Eiskelle: Zum Freihalten des Lochs von Eisbrei und Schnee zwischen den Bissen.
  • Kurze Eisangel (Jigrute): Deutlich kürzer als reguläre Ruten (oft nur 50–70 cm), da der Fisch direkt unter dem Loch gefangen wird.
  • Warme, wasserdichte Kleidung im Zwiebelprinzip: Stundenlanges bewegungsarmes Sitzen auf dem Eis kühlt schnell aus – entsprechend warme Ausrüstung ist Pflicht, nicht Kür.
  • Sitzgelegenheit oder Eiszelt: Isolierte Sitze verhindern Auskühlung von unten, ein Zelt schützt zusätzlich vor Wind.

Technik: Vertikales Jiggen durchs Loch

Die klassische Methode beim Eisangeln ist das vertikale Jiggen direkt unter dem Loch.

  • Köder: Kleine Jigköpfe mit Gummifisch oder Mormyschka (kleine, meist mit Wurm oder Made bestückte Bleiköder) werden knapp über dem Grund geführt.
  • Führung: Kurze, feine Hüpfbewegungen mit Pausen dazwischen – gerade im kalten Wasser reagieren Fische oft nur auf sehr dezente Reize.
  • Mehrere Löcher testen: Da sich Fische im Winter oft in engen Bereichen sammeln, lohnt sich das Wechseln zwischen mehreren vorher gebohrten Löchern, bis eine aktive Stelle gefunden ist.

Typische Zielfische

Barsch und Rotauge zählen zu den zuverlässigsten Zielfischen beim Eisangeln in heimischen Gewässern, da sie auch im kalten Wasser vergleichsweise aktiv bleiben. Auch auf Zander wird gezielt durchs Eis geangelt, meist in den frühen Morgen- und Abendstunden.

Typische Anfängerfehler

  • Eisdicke nur geschätzt statt gemessen: Ein Eisbohrer oder eine Eisnadel gehört auch zur Sicherheitsausrüstung, nicht nur zum Angeln.
  • Ohne Begleitung losgezogen: Gerade beim Einbrechen entscheidet schnelle Hilfe durch eine zweite Person über den Ausgang.
  • Zu grobe Köderführung: Fische reagieren im kalten Wasser oft nur auf sehr feine, langsame Bewegungen.
  • Kälte unterschätzt: Ohne durchdachte Kleidung wird die Sitzangelei am Loch schnell zur unangenehmen statt entspannten Erfahrung.

FAQ

Ab welcher Eisdicke kann ich aufs Eis? Die DLRG rät zu mindestens 15 cm Eis auf Seen und 20 cm auf fließenden Gewässern – im Zweifel gilt: lieber nicht.

Ist Eisangeln in Deutschland überall erlaubt? Nein, viele Vereine und Gewässerordnungen schränken es ein oder verbieten es aus Sicherheitsgründen – vorab unbedingt prüfen.

Welche Köder funktionieren beim Eisangeln am besten? Kleine Jigköpfe mit Gummifisch sowie Mormyschkas mit Wurm oder Made, jeweils fein und langsam geführt.

Was mache ich, wenn ich einbreche? Ruhig bleiben, mit den Eispickeln in Richtung der stabilen Eiskante krallen und sich flach herausziehen statt aufzustehen, dann vom Loch wegrollen statt wegzugehen, um das Gewicht zu verteilen. Begleiter wählen sofort den Notruf 112.


Zur passenden Montage geht es im Montagen-Konfigurator, zu wärmender Ausrüstung in der Anfänger-Ausrüstung.

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Quellen

  1. Eisregeln – DLRG Landesverband Niedersachsen, abgerufen am 17. September 2026
  2. Küstenfischereiverordnung (KüFVO M-V), Arbeitskopie – Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei M-V (LALLF), § 9 Nr. 2, 6 und 7, § 11, § 12, § 14 Abs. 1, § 20 Abs. 5 KüFVO M-V, Fassung vom 28. November 2006, zuletzt geändert am 21. Januar 2022 (GVOBl. M-V S. 58), abgerufen am 15. September 2026

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