Viele begehrte Fische werden nachts gefangen – Aal und Wels jagen vor allem in der Dunkelheit, und auch viele Karpfen fressen nachts. Gleichzeitig bringt das Nachtangeln besondere Anforderungen mit sich: Sichtbarkeit, Orientierung und Sicherheit spielen eine ganz andere Rolle als beim Angeln bei Tageslicht.
Dieser Guide zeigt, welche Ausrüstung für den Nachtansitz sinnvoll ist und worauf du aus Sicherheitsgründen unbedingt achten solltest.
Die richtige Ausrüstung für die Dunkelheit
Beleuchtung
- Stirnlampe mit Rotlicht-Modus: Gedämpftes Rotlicht stört die eigene Nachtsicht weniger als helles Weißlicht und gilt unter Anglern auch als weniger störend für Fische in Ufernähe. Licht als Fangmittel ist dagegen verboten: Bayern untersagt das Fischen unter Verwendung elektrischer Lichtquellen (§ 15 Abs. 1 Nr. 1 AVBayFiG), Hessen die Verwendung künstlichen Lichts beim Fischfang (§ 9 HFischV). Ob leuchtende Posen oder Bissanzeiger an deinem Gewässer zulässig sind, klärst du im Zweifel mit der Fischereibehörde.
- Knicklichter für Posen: Ermöglichen die Bissbeobachtung auch bei völliger Dunkelheit, siehe auch Posenmontage.
- Zusätzliche Taschenlampe: Für Wege zum und vom Angelplatz sowie zur Ausleuchtung beim Landen und Abhaken.
Bissanzeige in der Dunkelheit
- Elektronische Bissanzeiger: Akustische Signale ersetzen die optische Kontrolle der Pose oder Rutenspitze und sind beim Nachtansitz auf Aal, Wels oder Karpfen praktisch unverzichtbar.
- Leuchtende Swinger oder Bissanzeiger-Aufsätze: Zusätzliche visuelle Rückmeldung, gut kombinierbar mit akustischen Signalen.
Persönliche Ausrüstung
- Warme, wetterfeste Kleidung: Auch im Sommer kühlen Nächte am Wasser spürbar ab.
- Insektenschutz: Besonders an stehenden Gewässern in den warmen Monaten wichtig.
- Sitzgelegenheit oder Liege: Für längere Nachtansitze deutlich komfortabler als einfaches Stehen oder Sitzen auf dem Boden.
- Rutenhalter oder Rod Pod: Für mehrere gleichzeitig ausgelegte Ruten unverzichtbar, besonders auf hartem oder unebenem Untergrund.
Wie viele Ruten erlaubt sind, regelt das Landesrecht: Bayern, Sachsen, Brandenburg und Hamburg erlauben höchstens zwei Handangeln gleichzeitig, Sachsen und Brandenburg beim Spinn- oder Fliegenfischen sogar nur eine; in den Küstengewässern Mecklenburg-Vorpommerns sind es höchstens drei. Ausgelegte Angeln müssen ständig beaufsichtigt werden – Sachsen stellt ausdrücklich klar: „Elektronische Bissanzeiger ersetzen die Aufsicht nicht.“ (§ 4 Abs. 4 SächsFischVO)
Sicherheit am Wasser bei Nacht
- Gewässer bei Tageslicht erkunden: Steile Ufer, rutschige Stellen oder tiefe Löcher sollten vor dem Dunkelwerden bekannt sein.
- Nicht alleine angeln: Wenn möglich, sollte der Nachtansitz zu zweit oder in der Gruppe erfolgen – gerade in Notfällen ein entscheidender Sicherheitsfaktor.
- Handy griffbereit und aufgeladen: Für den Notfall unverzichtbar, idealerweise mit Powerbank als Reserve.
- Wetterbericht prüfen: Gewitter und starker Wind erhöhen die Risiken beim Nachtangeln erheblich – im Zweifel den Ansitz verschieben.
- Rutschfestes Schuhwerk: Nasses Gras und Uferbereiche sind bei Dunkelheit besonders tückisch.
Praktische Tipps für den Nachtansitz
- Ausrüstung vor Einbruch der Dunkelheit aufbauen: Montagen, Köder und Beleuchtung sollten bereits bei Tageslicht startklar sein.
- Feste Ablageplätze für Werkzeug: Lösezange, Ersatzvorfächer und Maßband griffbereit, aber sortiert ablegen, um im Dunkeln nicht danach suchen zu müssen.
- Ruhe bewahren: Viele Nachtfische wie Aal und Wels reagieren empfindlich auf Lärm und Erschütterungen am Ufer.
Typische Fehler beim Nachtangeln
- Unzureichende Beleuchtung: Ohne Stirnlampe und Ersatzbatterien wird selbst einfaches Umbauen der Montage zur Herausforderung.
- Unbekanntes Gewässer bei Dunkelheit betreten: Erhöht das Unfallrisiko erheblich – Gewässer sollten vorher bei Tageslicht erkundet werden.
- Fehlende Wetterkontrolle: Ein spontaner Wetterumschwung kann den Nachtansitz schnell gefährlich machen.
- Alleine ohne Kommunikationsmittel unterwegs: Im Notfall fehlt dann jede Möglichkeit, schnell Hilfe zu holen.
FAQ
Ist Nachtangeln überall erlaubt? Nicht überall. Landesrecht und Gewässerordnung können Nachtangeln einschränken – in Brandenburg etwa bei Koppelfischerei auf die Zeit von einer Stunde vor Sonnenaufgang bis eine Stunde nach Sonnenuntergang (§ 7 Abs. 4 BbgFischO). Vorab unbedingt die Regeln des jeweiligen Gewässers prüfen.
Welche Fische fängt man besonders gut nachts? Aal und Wels jagen vor allem nachts, und auch viele Karpfen werden in der Dunkelheit gefangen – mehr dazu in den Guides Auf Aal angeln und Auf Wels angeln.
Brauche ich einen elektronischen Bissanzeiger fürs Nachtangeln? Zwingend nötig ist er nicht, erleichtert die Bisserkennung in der Dunkelheit aber erheblich und wird von den meisten erfahrenen Nachtanglern genutzt.
Wie bereite ich mich am besten auf einen Nachtansitz vor? Gewässer bei Tageslicht erkunden, Ausrüstung vor Einbruch der Dunkelheit aufbauen und wenn möglich nicht alleine angeln.
Zur passenden Montage für deinen Nachtansitz geht es in der Durchlaufmontage oder direkt zum Montagen-Konfigurator.
Quellen
- Fischereiordnung des Landes Brandenburg (BbgFischO)
- Verordnung zur Ausführung des Bayerischen Fischereigesetzes (AVBayFiG)
- Hessische Fischereiverordnung (HFischV)
- Sächsische Fischereiverordnung (SächsFischVO)
- Verordnung zur Durchführung des Hamburgischen Fischerei- und Angelgesetzes (HmbFAnGDVO)
- Küstenfischereiverordnung (KüFVO M-V), Arbeitskopie
- Silurus glanis – Wels catfish
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