Die Quappe ist ein echter Sonderfall unter den heimischen Fischarten: Sie ist die einzige Art ihrer dorschartigen Familie, die im Süßwasser lebt, wird ausgerechnet im Winter aktiv und laicht bei Wassertemperaturen unter 6 °C – während fast alle anderen Fische in dieser Zeit träge und beißunwillig sind. Wer sie gezielt sucht, hat oft ganze Gewässerabschnitte für sich allein.
Dieser Ratgeber zeigt dir, wo und wann die Quappe aktiv ist, wie eine typische Nachtmontage aufgebaut ist – und warum du vor dem Angeln unbedingt prüfen musst, ob sie in deinem Bundesland überhaupt entnommen werden darf.
Steckbrief Quappe
- Wissenschaftlicher Name: Lota lota
- Familie: Quappen (Lotidae), dorschartig – die einzige Art dieser Familie, die im Süßwasser lebt (FishBase)
- Erkennungsmerkmale: Langgestreckter, aalähnlicher Körper mit schleimiger Haut, marmoriert in Braun- und Olivtönen; ein einzelnes Bartel am Unterkiefer; zwei Rückenflossen, die zweite lang gestreckt.
- Lebensraum: Kühle, sauerstoffreiche Seen und Flüsse mit Kiesgrund, Steinen oder Totholz als Versteck; verbreitet vor allem in tieferen, klaren Gewässern.
- Nahrung: Kleine Fische, Kleinkrebse, Insektenlarven und Bodenlebewesen.
Ein Winterlaicher mit ungewöhnlichem Rhythmus
Die Quappe dreht den Jahresrhythmus der meisten heimischen Fische um: Sie ist im Sommer bei warmem Wasser kaum aktiv und verkriecht sich tagsüber unter Steinen, Wurzeln oder in Löchern. Erst mit sinkenden Wassertemperaturen im Spätherbst und Winter wird sie richtig aktiv – gelaicht wird laut FishBase zwischen November und März bei Wassertemperaturen unter 6 °C.
Wann und wo beißt die Quappe?
- Tiefe Rinnen und Kolke: Bevorzugte Standplätze mit kühlem, sauerstoffreichem Wasser.
- Steinpackungen, Totholz und Wurzelwerk: Tagsüber zieht sich die Quappe hierhin zurück.
- Kiesige oder steinige Gewässerabschnitte: Bevorzugter Untergrund, weiche Schlammböden werden gemieden.
- Einläufe und strömungsberuhigte Zonen: Nahrungsreiche Übergangsbereiche.
Die besten Beißzeiten
- Spätherbst bis zeitiges Frühjahr: Die mit Abstand fängigste Zeit, mit dem Höhepunkt kurz vor und während der winterlichen Laichzeit.
- Dämmerung und Nacht: Die Quappe jagt vor allem in der Dämmerung und nachts – tagsüber sind Fänge die Ausnahme.
- Kalte, klare Nächte: Anders als bei den meisten Fischen wirkt sich sinkende Wassertemperatur bei der Quappe eher fangfördernd aus.
Die beste Quappen-Montage
Grundmontage für die Nacht
Die Quappe wird fast ausschließlich am Grund gefangen – eine robuste, einfache Grundmontage reicht völlig aus.
- Aufbau: Laufblei (15–30 g, je nach Strömung) auf der Hauptschnur, Anti-Tangle-Boom als Abstandhalter, Vorfach aus Fluorocarbon oder Monofil (0,25–0,30 mm, siehe Angelschnur-Guide) mit einem einzelnen Haken.
- Bisserkennung: Da die Quappe bei kaltem Wasser oft sehr vorsichtig frisst, hilft ein empfindlicher elektronischer Bissanzeiger oder ein Swinger, um auch leichte Bisse in der Dunkelheit sofort zu erkennen.
Tipp: Der interaktive Montagen-Konfigurator hilft dir, die passende Grundmontage samt Blei- und Vorfachempfehlung für dein Gewässer zusammenzustellen.
Die besten Köder
- Tauwurm: Der klassische, zuverlässigste Köder – am besten als Bündel aus zwei bis drei Würmern.
- Kleiner Köderfisch oder Fischfetzen: Nutzt den ausgeprägten Geruchssinn der Quappe und lockt über größere Distanz.
- Fischfetzen kombiniert mit Wurm: Eine bewährte Mischung aus Bewegung und intensivem Geruch für kalte Winternächte.
Bisserkennung und Drill
Der Biss zeigt sich meist als vorsichtiges Zupfen, bevor die Quappe den Köder richtig nimmt – Geduld beim Anschlag zahlt sich aus. Der Drill selbst ist eher unspektakulär: Die Quappe leistet keinen kraftvollen Widerstand, dreht sich aber gerne wie ein Aal um die eigene Achse. Zum Abhaken empfiehlt sich ein feuchtes Tuch, da die Haut ähnlich schleimig ist wie beim Aal.
Bestand, Schonzeit und Mindestmaß
Bei kaum einer heimischen Art gehen die Regeln der Länder so weit auseinander wie bei der Quappe – vom reinen Mindestmaß bis zum ganzjährigen Entnahmeverbot. Beispiele aus den Verordnungstexten:
| Bundesland | Mindestmaß | Schonzeit |
|---|---|---|
| Bayern (Rutte) | 40 cm | keine |
| Nordrhein-Westfalen | – | ganzjährig: darf dem Wasser nicht entnommen werden (§ 1 LFischVO) |
| Hessen | – | ganzjährig: Fang und Entnahme verboten (§ 1 HFischV) |
| Sachsen | 30 cm | 1. Januar bis 31. März in Elbe, Vereinigter Mulde und Weißer Elster, sonst ganzjährig |
| Brandenburg | 30 cm | keine |
| Hamburg | Entnahmefenster 30 bis 50 cm, höchstens 3 Quappen am Tag | keine |
| Mecklenburg-Vorpommern (Binnengewässer) | 30 cm | 1. Januar bis 15. Februar |
| Schleswig-Holstein (Küstengewässer) | – | ganzjährig in Elbe und Nebengewässern |
Die Fundstellen stehen in den Quellen am Ende dieses Artikels.
Wichtig: Prüfe vor dem Angeln unbedingt, ob die Quappe in deinem Gewässer überhaupt entnommen werden darf – Vereine und Pächter können zusätzlich eigene Regeln festlegen.
Anfängerfehler beim Quappenangeln
- Tagsüber geangelt: Die Quappe ist fast ausschließlich nachtaktiv – wer nur tagsüber ansitzt, wird kaum eine fangen.
- Falsche Jahreszeit: Im Sommer bei warmem Wasser ist gezieltes Quappenangeln praktisch aussichtslos.
- Bestand und Regeln nicht geprüft: Gerade bei dieser Art lohnt sich die Nachfrage beim Verein, bevor man losfährt.
- Zu grobe Montage: Die oft vorsichtigen Bisse bei kaltem Wasser gehen mit unempfindlicher Bissanzeige schnell unter.
FAQ
Darf ich die Quappe überhaupt angeln? Das hängt vom Bundesland ab. In Nordrhein-Westfalen und Hessen darf sie ganzjährig nicht entnommen werden, in Sachsen nur zeitweise in Elbe, Vereinigter Mulde und Weißer Elster; Bayern und Brandenburg schreiben lediglich ein Mindestmaß vor.
Wann ist die beste Zeit für Quappe? Spätherbst bis zeitiges Frühjahr, mit dem Höhepunkt während der winterlichen Laichzeit – und vor allem nachts.
Ist die Quappe ein guter Speisefisch? Ja, sie gilt als sehr wohlschmeckend, insbesondere die Leber ist eine Delikatesse. Wo eine Entnahme erlaubt ist, sollte sie trotzdem zurückhaltend erfolgen.
Kann ich Quappe mit derselben Montage wie Aal fangen? Der Grundaufbau ähnelt sich stark, allerdings angelt man auf Quappe gezielt im Winter statt im Sommer, und die Quappe reagiert im Gegensatz zum Aal weniger empfindlich auf leichten Widerstand.
Bereit für eine Nachtangeltour im Winter? Stell dir mit dem Montagen-Konfigurator in einer Minute die passende Grundmontage zusammen. Ähnliche nächtliche Montage-Grundlagen findest du auch im Guide Auf Aal angeln.
Quellen
- Verordnung zur Ausführung des Bayerischen Fischereigesetzes (AVBayFiG), Anlage: Schonzeiten, Schonmaße und räumlicher Geltungsbereich
- Landesfischereiverordnung (LFischVO) Nordrhein-Westfalen
- Hessische Fischereiverordnung (HFischV)
- Sächsische Fischereiverordnung (SächsFischVO)
- Fischereiordnung des Landes Brandenburg (BbgFischO)
- Verordnung zur Durchführung des Hamburgischen Fischerei- und Angelgesetzes (HmbFAnGDVO)
- Binnenfischereiverordnung (BiFVO M-V), Arbeitskopie
- Küstenfischereiverordnung Schleswig-Holstein (KüFVO), Anlage 1: Mindestmaße und Schonzeiten
- Lota lota – Burbot
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