Plattfische – vor allem Scholle und Flunder – gehören zu den beliebtesten Einsteiger-Zielfischen beim Brandungsangeln an Nord- und Ostsee. Ihre perfekte Tarnung am sandigen Meeresboden und die vergleichsweise unkomplizierte Fangtechnik machen sie zu einem dankbaren Ziel für alle, die den Einstieg ins Meeresangeln suchen. Gleichzeitig entwickeln erfahrene Plattfischangler mit Lockperlen und der richtigen Gezeitenwahl feine Taktiken, um die Fangzahlen deutlich zu steigern.
Dieser Ratgeber führt dich Schritt für Schritt zum ersten Plattfischfang. Du erfährst, wo und wann die Fische stehen, welche Montage sich bewährt hat, welche Köder unverzichtbar sind und wie du typische Einsteigerfehler vermeidest.
Steckbrief Plattfisch
Unter dem Begriff Plattfisch werden beim Brandungsangeln vor allem Scholle und Flunder zusammengefasst – beide mit ähnlicher Lebensweise, aber leicht unterschiedlichem Aussehen.
- Wissenschaftliche Namen: Pleuronectes platessa (Scholle), Platichthys flesus (Flunder)
- Familie: Schollen (Pleuronectidae) – beide Arten
- Erkennungsmerkmale: Stark abgeflachter Körper; beide Augen auf einer Körperseite; Scholle mit charakteristischen orangen Punkten, Flunder eher unauffällig gefärbt.
- Lebensraum: Sandige und schlickige Meeresböden in Küstennähe, sowohl Nord- als auch Ostsee.
- Nahrung: Bodenlebewesen wie Würmer, Muscheln und kleine Krebstiere.
Meister der Tarnung
Plattfische verbringen die meiste Zeit gut getarnt und teilweise eingegraben am Meeresboden. Diese Lebensweise erklärt auch ihre bevorzugte Nahrungssuche direkt am Grund – ein wichtiger Hinweis für die richtige Montagewahl.
Wann und wo beißt der Plattfisch?
Plattfische bevorzugen sandige bis leicht schlickige Bereiche mit gutem Nahrungsangebot.
- Sandbänke und Rinnen: Klassische Standorte, besonders an Übergängen zwischen verschiedenen Bodenstrukturen.
- Brandungszone: Direkt in der Brandung, oft überraschend nah am Ufer.
- Flache Küstenbereiche: Besonders im Frühjahr und Sommer halten sich Plattfische oft in geringer Wassertiefe auf.
Die besten Beißzeiten
- Auflaufendes Wasser (Nordsee): Eine der besten Gezeitenphasen, da mit steigendem Wasser vermehrt Nahrung in die Brandungszone gespült wird. In der Ostsee betragen die Gezeiten laut Leibniz-Institut für Ostseeforschung meist nur einige Zentimeter – dort zählen eher Wind und Wellengang.
- Frühjahr bis Herbst: Die Hauptsaison mit guter Fangaktivität.
- Dämmerung: Häufig eine besonders aktive Zeit für Plattfische in Ufernähe.
Die beste Plattfisch-Montage
Brandungsmontage mit Wattwurm
Die klassische Methode: Ein bis zwei Seitenarme mit Lockperlen und Wattwurm, ergänzt durch ein ausreichend schweres Krallenblei, das die Montage in der Brandung am Platz hält. Details zum Aufbau im Guide zur Brandungsmontage.
Tipp: Viele Brandungsangler setzen bunte Lockperlen vor den Haken, um den Köder auffälliger zu machen.
Die besten Köder
Wattwurm
Der klassische und zuverlässigste Köder für Plattfische – lebendig präsentiert, lockt er zuverlässig aus größerer Distanz an.
Seeringelwurm
Eine attraktive Alternative mit intensiver Duftspur, besonders bei stark bewegtem Wasser wirkungsvoll. Weitere Köder findest du im Meeresköder-Guide.
Bisserkennung und Drill
Bisserkennung
Plattfischbisse zeigen sich meist als leichtes, gleichmäßiges Zupfen an der Rutenspitze, gefolgt von einem deutlicheren Ruck.
Der Drill
Plattfische bieten einen eher gemächlichen, aber durch ihre breite Körperform überraschend widerstandsfähigen Drill – besonders größere Schollen setzen dem Wasser durch ihre Form deutlichen Widerstand entgegen.
Die Landung
Bei der Landung vom Strand aus reicht meist das vorsichtige Heranziehen über den flachen Sandgrund, ein kleiner Kescher erleichtert die letzte Phase zusätzlich. Details zur passenden Ausrüstung in der Kescher-Kaufberatung und der Meeresangel-Ausrüstung fürs Brandungsgerät.
Schonzeit und Mindestmaß
Scholle, Flunder und die übrigen Plattfische regeln die Küstenländer in ihren Küstenfischereiverordnungen:
- Scholle: Schleswig-Holstein 27 cm in der Nordsee, 25 cm in der Ostsee; Mecklenburg-Vorpommern 25 cm.
- Flunder: Schleswig-Holstein 25 cm in Nord- und Ostsee; Mecklenburg-Vorpommern 25 cm.
- Kliesche: Schleswig-Holstein 23 cm; Mecklenburg-Vorpommern 25 cm.
- Steinbutt: 30 cm in beiden Ländern; Schonzeit vom 1. Juni bis 31. Juli (Schleswig-Holstein in der Ostsee, Mecklenburg-Vorpommern nach § 5 KüFVO M-V).
Schonzeit für Laichfische: Schleswig-Holstein schont weibliche Schollen und weibliche Flundern vom 1. Februar bis 30. April (Anlage 1 zu § 2 Abs. 1 KüFVO). Die Küstenfischereiverordnung Mecklenburg-Vorpommerns sieht für Scholle und Flunder keine Schonzeit vor.
Ausnahme bis Ende 2026: In den Küstengewässern der Ostsee hat Schleswig-Holstein die Mindestmaße für Flunder und Kliesche sowie die Schonzeiten für weibliche Scholle, weibliche Flunder und Steinbutt per Allgemeinverfügung aufgehoben – gültig vom 1. Januar 2024 bis 31. Dezember 2026. Für Erwerbsfischer gelten stattdessen die EU-Vorgaben. Das Mindestmaß der Scholle bleibt bestehen.
Die Fundstellen stehen in den Quellen am Ende dieses Artikels.
Wichtig: Regeln für Küstengewässer ändern sich regelmäßig. Prüfe vor dem Angeln die aktuelle Rechtslage.
Anfängerfehler beim Plattfischangeln
- Köder nicht am Grund: Plattfische fressen direkt am Boden – eine Montage, die in der Strömung aufsteigt oder treibt, fischt an ihnen vorbei.
- Falsches Timing bei den Gezeiten: Wer die Gezeiten ignoriert, verpasst oft die besten Bissfenster.
- Zu leichtes Blei: In stärkerer Brandung reicht ein zu leichtes Blei nicht aus, um die Montage am Platz zu halten.
- Zu weite Würfe: Plattfische stehen oft überraschend nah am Ufer – nicht jeder Wurf muss maximal weit sein.
FAQ
Wann ist die beste Zeit zum Plattfischangeln? Auflaufendes Wasser sowie die Dämmerungsstunden im Frühjahr bis Herbst bieten die besten Fangchancen.
Welcher Köder eignet sich am besten für Plattfisch? Wattwurm ist der klassische, zuverlässigste Köder für Scholle und Flunder.
Wie wichtig sind Lockperlen bei der Montage? Sie sind unter Brandungsanglern verbreitet, weil sie den Köder auffälliger machen. Einen belastbaren Beleg, wie viel mehr Bisse sie bringen, gibt es nicht – probier es an deinem Strand aus.
Wie weit muss ich für Plattfisch werfen? Nicht zwingend weit – Plattfische stehen häufig überraschend nah in der Brandungszone direkt am Ufer.
Mehr zur Grundtechnik findest du im Guide Meeresangeln, die passende Montage in der Brandungsmontage.
Quellen
- Küstenfischereiverordnung Schleswig-Holstein (KüFVO), Anlage 1: Mindestmaße und Schonzeiten
- Allgemeinverfügung zur Zulassung von Ausnahmen nach § 22 der Landesverordnung über die Ausübung der Fischerei in den Küstengewässern Schleswig-Holsteins
- Küstenfischereiverordnung (KüFVO M-V), Arbeitskopie
- Fragen zum Meer: Gezeiten in der Ostsee
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